Biographie

Jacob Emmanuel Mabe

Geboren 1959 in Mandoumba, Kamerun. Politikwissenschaftler, Philosoph und Universalgelehrter. Zwei Promotionen und Habilitation im Gesamtfach Interkulturelle Philosophie. Lehrte an der RWTH Aachen, der Goethe-Universität Frankfurt am Main, der Technischen Universität, der Freien Universität und der Humboldt-Universität zu Berlin.

Prof. Dr. Dr. Jacob Emmanuel Mabe

Geboren

1959

Herkunft

Mandoumba, Kamerun

Familienstand

Verheiratet, ein Kind

Titel

Prof. Dr. Dr. habil.

Ausbildung

2004

Habilitation im Gesamtfach Interkulturelle Philosophie

Technische Universität Berlin – Über schriftliche und mündliche Formen des philosophischen Denkens in Afrika

1995/96

Promotion in Philosophie

Universität München – Dissertation über Jean-Jacques Rousseau

1992

Promotion in Politikwissenschaft

Universität Augsburg – Dissertation über Energiepolitik in Afrika

1989

Diplom sc.pol.univ.

Universität München

1983–1986

Studium der Philosophie und Politikwissenschaften

Universität München

Beruflicher Werdegang

Seit 2013

Gastprofessor

  • Universität Libreville
  • Universität Kabale
Seit 2007

Publizist und Netzwerker

  • Freier Mitarbeiter des Tagesspiegels, Berlin
  • Mitglied des African Networks for Information Ethics, University of Pretoria
2004–2012

Professor für Philosophie

  • Leitung des deutsch-französischen Promotionskollegs
  • Gastwissenschaftler am Frankreich-Zentrum der FU Berlin
  • Dozent im internationalen Diplomatenlehrgang des Auswärtigen Amtes
1994–2003

Universitätsprofessor

  • RWTH Aachen
  • Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Technische Universität Berlin
  • Freie Universität Berlin
  • Humboldt-Universität zu Berlin
1990–1994

Stipendiat und Forscher

  • Promotionsstipendium der Gottlieb Daimler- und Carl Benz-Stiftung
  • Forschungsstipendium der Siemens AG
1981–1983

Lehrer

  • Douala, Kamerun – Deutsch, Französisch, Geschichte

Ämter und Positionen

Präsident

Anton-Wilhelm-Amo-Gesellschaft e.V., Berlin

Herausgeber

Erste deutschsprachige Enzyklopädie Afrikas (Verlag J.B. Metzler)

Jury-Mitglied

Russell-Tribunal zur Frage der Menschenrechte, Berlin (seit 2001)

Mitglied

African Networks for Information Ethics (ANIE), University of Pretoria (seit 2007)

Ehemaliger Präsident

Deutsche Gesellschaft für französischsprachige Philosophie (DGFP), bis 2011

Beirat

KADMOS Mittelstands-Förderungsgesellschaft mbH (wissenschaftlicher Beirat)

Kurzbiographie

Jacob Emmanuel Mabe, geboren 1959 in Mandoumba, Kamerun, ist Politikwissenschaftler, Philosoph und Universalgelehrter. Ausgezeichnet mit dem Landespreis als bester Deutschschüler seines Landes, kam er nach Deutschland, wo er zwei Promotionen – in Politikwissenschaft (Augsburg) und Philosophie (München) – sowie eine Habilitation im Gesamtfach Interkulturelle Philosophie an der Technischen Universität Berlin erlangte. Er lehrte an der RWTH Aachen, der Goethe-Universität Frankfurt am Main, der Technischen Universität, der Freien Universität und der Humboldt-Universität zu Berlin. Er ist Herausgeber der ersten deutschsprachigen Enzyklopädie Afrikas, Präsident der Anton-Wilhelm-Amo-Gesellschaft und Jury-Mitglied des Russell-Tribunals für Menschenrechte.

Porträt

Jacob Emmanuel Mabe wurde 1959 in Mandoumba in der Region Centre in Kamerun geboren. Er besuchte die Schule in verschiedenen Orten des Landes, darunter Bitoutouk, Mom, Makak und Nkong-Mondo bei Douala. Seine herausragenden Leistungen im Fach Deutsch wurden mit dem Landespreis für den besten Schüler ausgezeichnet – eine Auszeichnung, die ihm den Weg nach Deutschland ebnete. Bevor er sein Studium aufnahm, unterrichtete er von 1981 bis 1983 Deutsch, Französisch und Geschichte in Douala.

In München studierte er von 1983 bis 1986 Philosophie und Politikwissenschaften und war anschließend als wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Philosophie und politische Theorie tätig. Mit einem Promotionsstipendium der Gottlieb Daimler- und Carl Benz-Stiftung promovierte er 1992 an der Universität Augsburg in Politikwissenschaft. Ein Forschungsstipendium der Siemens AG ermöglichte ihm von 1992 bis 1994 weitere wissenschaftliche Arbeit. Nach einer zweiten Promotion in Philosophie an der Universität München habilitierte er sich 2004 an der Technischen Universität Berlin. Seine Habilitationsschrift über schriftliche und mündliche Formen des philosophischen Denkens in Afrika begründete seine Lehrbefugnis im Gesamtfach Interkulturelle Philosophie.

Mabe lehrte an der RWTH Aachen, der Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie an der Technischen Universität, der Freien Universität und der Humboldt-Universität zu Berlin. Er ist Herausgeber und Mitautor der ersten deutschsprachigen Enzyklopädie Afrikas und Verfasser zahlreicher Publikationen, die ein breites Spektrum an Disziplinen abdecken – von Philosophie über Politik bis hin zu Sozial- und Kulturwissenschaften. Als Philosoph und Politikwissenschaftler befasst er sich insbesondere mit der interkulturellen Philosophie, der Einheit von Körper und Geist im afrikanischen Denken sowie mit der Konvergenz zwischen mündlichen und schriftlichen Denktraditionen. Seine Grundlagenforschung in der afrikanischen Kultur und in der europäischen Kolonial- und Entwicklungspolitik zielt auf die Erforschung von Werten, die ein gemeinsames Handeln aller Völker ermöglichen.

Parallel zu seiner akademischen Laufbahn war Mabe in verschiedenen Bereichen tätig: Von 1994 bis 1995 arbeitete er bei der Raab Karcher-Sicherheit GmbH und war zugleich Lehrbeauftragter für Philosophie an der Universität Frankfurt am Main. Von 1992 bis 1994 war er Forschungsstipendiat der Siemens AG im Unternehmensbereich Kraftwerk-Union. Ab 1996 wirkte er als freier Sachverständiger und Wissenschaftler und arbeitete unter anderem am Afrika-Lexikon für den Verlag J.B. Metzler in Stuttgart. Er beteiligte sich zudem an Projekten wie der „Darstellung Afrikas in deutschen Schulbüchern" im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Neben seiner Forschung engagiert sich Mabe als Jury-Mitglied des Russell-Tribunals zur Frage der Menschenrechte (seit 2001), war Dozent im internationalen Diplomatenlehrgang des Auswärtigen Amtes und ist seit 2007 Mitglied des African Networks for Information Ethics an der University of Pretoria. Von 2005 bis 2007 war er Präsidialrat der Gesellschaft für Transfer Immateriellen Vermögens e.V. und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der KADMOS Mittelstands-Förderungsgesellschaft mbH. Als freier Mitarbeiter des Tagesspiegels trägt er philosophische und politische Perspektiven auch in den öffentlichen Diskurs.

Philosophieren

In seinem Hauptwerk „Denken mit dem Körper" lädt Mabe dazu ein, verbreitete Vorurteile über Afrika zu hinterfragen. Er zeigt, dass die Völker Afrikas trotz aller Unterschiede eine gemeinsame Überzeugung teilen: In einer globalisierten Welt erfordert das Überleben einen grundlegenden Wertewandel. Statt an unhinterfragte Autoritäten und sakrale Überlieferungen gebunden zu bleiben, identifiziert Mabe universelle Werte mit afrikanischen Wurzeln – Werte, die er als „probativ" und „apodiktisch" kennzeichnet und die für alle Menschen Gültigkeit beanspruchen. Er verfolgt diese Werte durch das kulturelle Erbe des antiken Ägyptens, Karthagos und Numidiens und zeigt, dass die europäische Philosophie, Wissenschaft und Ethik der afrikanischen Kultur mehr verdankt, als gemeinhin angenommen wird. Unter den modernen Vertretern dieses afrikanischen Universalismus hebt er Cheikh Anta Diop aus dem Senegal und Amadou Hampâté Bâ aus Mali hervor.

1Einheit von Körper und Geist

In Mabes Analyse findet die cartesianische Trennung von Körper und Geist in den traditionellen Denkweisen Afrikas keine Entsprechung. Vielmehr beruhen die philosophischen Überlieferungen des Kontinents auf einem integrativen Zusammenspiel von natürlichem Rhythmus, Reflexion und Handeln. Die mündlichen Traditionen zeichnen den Menschen als ein grundlegend rhythmisches Wesen – eines, das mit seinem Körper denkt und handelt, nicht gegen ihn. In diesem Verständnis bilden intellektuelle Reflexion und körperliches Engagement eine Symbiose: Die Rhythmen des Körpers leiten das Denken, während das Denken seinerseits die körperliche Praxis formt. Schriftliche philosophische Traditionen ergänzen dieses orale Fundament, indem sie die individuellen Perspektiven ihrer jeweiligen Verfasser einbringen.

2Zeit und Denken

Für Mabe unterscheiden sich die traditionellen afrikanischen Zeitvorstellungen grundlegend vom europäischen Modell der Uhrzeit. Zeit wird im afrikanischen Denken durch das erfahren, was er als „natürliches Rhythmusgefühl" beschreibt – eine elementare Kraft, die den Menschen mit den Zyklen der Natur verbindet. Anstatt abstrakt gemessen zu werden, markieren konkrete Ereignisse und natürliche Phänomene den Lauf der Zeit: Schatten, jahreszeitliche Rhythmen, körperliche Zyklen, Saat- und Erntezeiten dienen gleichermaßen als zeitliche Orientierungspunkte. Der biologische Rhythmus des Körpers bestimmt die Dauer von Trauer, Fest, Zeremonie und Musik. In diesem Rahmen besitzen Afrikaner, was Mabe als „flexible" Zeiterfahrung beschreibt – Denken entsteht nicht aus mechanischer Regelmäßigkeit, sondern aus dem gelebten Rhythmus der Erfahrung. Diese grundlegend andere zeitliche Orientierung, so argumentiert er, bleibt eine Quelle beständiger Missverständnisse in interkulturellen Begegnungen.

3Folgen des Kolonialismus für das afrikanische Philosophieren

Mabes Analyse der Auswirkungen des Kolonialismus auf die afrikanische Philosophie identifiziert einen tiefgreifenden Bruch in der geistigen Entwicklung des Kontinents. Das Eindringen der Europäer, so argumentiert er, hat die kulturelle Landschaft Afrikas so nachhaltig umgestaltet, dass sich die philosophischen Eliten des Kontinents weitgehend am europäischen Denken orientierten. Er unterscheidet dabei mehrere intellektuelle Strömungen im heutigen Afrika: jene, die das Heil ausschließlich im Westen suchen (die er „Abendlandsfreunde" nennt); ihre Gegenspieler, die den Eurozentrismus aus der Diaspora heraus bekämpfen (die „Abendlandsfeinde"); „Protoafrikaner", die für sich eine authentisch indigene Identität beanspruchen; und schließlich die „philanthropischen Universalisten" – eine Gruppe, der Mabe sich selbst zurechnet –, die für transkulturelle Solidarität und gegenseitige Anerkennung unter allen Völkern eintreten.

4Interkulturelles Philosophieren

Mabes Konzept der interkulturellen Philosophie gründet auf der Prämisse, dass der natürlich-biologische Rhythmus die Quelle allen Denkens und aller Kulturschöpfung darstellt. Daraus folgt in seiner Sicht, dass jeder Mensch von Natur aus dazu aufgerufen ist, eigenständige und selbstverantwortete Lebensformen zu entwickeln. Durch die Konvergenz von mündlichen und schriftlichen Überlieferungen innerhalb jeder Kultur kann das Denken „kulturneutrale Werte" hervorbringen – Prinzipien, die über die Grenzen jeder einzelnen Tradition hinaus gültig sind. Seine Grundlagenforschung in der afrikanischen Kultur und in der europäischen Kolonial- und Entwicklungspolitik dient genau diesem Ziel: der Identifikation von Werten, die ein gemeinsames Handeln aller Völker der Welt ermöglichen.